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Don Quijote
Großes Lob für die Theater-AG
des IKGs
Am 11. und 12. Juni war es wieder einmal
soweit: Die Theater-AG, unter der Leitung von Frau Hamsea, führte zum wiederholten
Male ein tolles Stück vor vielen begeisterten Zuschauern in der Aula des
Immanuel-Kant-Gymnasiums auf.
Diesmal wurde erfolgreich das Theaterstück Don Quijote von Michail Bulgakow
inszeniert.
Das Stück handelt von Alonso Quijano, der sich selbst Don Quijote von La
Mancha nennt und glaubt ein Ritter zu sein. Deshalb zieht in die Welt hinaus,
um diese von Ungerechtigkeiten zu befreien. Bei seinen Abenteuern wird er von
seinem treuen Waffenträger Sancho Pansa unterstützt. Die Gegner jedoch,
die Don Quijote sich aussucht, sind Windmühlen, harmlose Wanderer und Weinfässer,
die er in seinem Wahn für Riesen und böse Zauberer hält. Ein
gefährliches Missgeschick folgt aufs andere. Zuletzt gelingt es dann doch,
Don Alonso von seinem Wahn zu befreien. Mit seinem Wahn aber verliert er auch
seine Hoffnung, die Welt verändern zu können, und so kehrt er nach
La Mancha zurück um zu sterben.
Dieses komplexe und emotionale Stück bewegte das Publikum sehr, so gab
es Lachen und Tränen, viel Applaus und Lob. Der Dank gilt allen Beteiligten,
die es ermöglicht haben den Zuschauern an zwei Abenden eine gelungene Aufführung
zu präsentieren.
Bestimmt freuen sich schon alle auf das nächste Stück, das sicherlich
wieder, durch das Engagement Frau Hamseas und der Schüler, ein voller Erfolg
werden wird.
Franziska Faude und Olivia Kaczor (Klasse
9c)
Interpretation
Don Quijote (Jens Metzger) ist eigentlich
der friedliebende Hidalgo Alonso Quijano, der mit seiner Nichte Antonia (Julia
Schöndienst) und seiner Haushälterin (Anna Blohmke) auf seinem Gut
im spanischen La Mancha lebt. Die alten Ritterbücher, die er liest, entflammen
seine Phantasie, und er entschließt sich, „unser unglückliches
eisernes Zeitalter in ein goldenes zu verwandeln.“ Er will der Welt ihre
verlorenen Ideale zurückgeben, auch wenn es diese vielleicht nie gegeben
habe: Gerechtigkeit, Mut, Güte, Liebe, Schönheit. Es geht ihm darum,
die Welt anhand von Phantasie und Idealen zu einem weniger trostlosen Ort zu
machen, ihr etwas vom Glanz dessen zu geben, was über die Begrenztheit
und Dumpfheit des Hier und Jetzt hinausweist. Und weil er diese Ideale in Ritterromanen
angetroffen hat, will er selbst Ritter werden.
So deutet er die reale Welt Stück für Stück um, lässt sie
im Licht seiner Phantasie erstrahlen: Aus dem harmlosen Dorfbarbier Nicolas
(Friederike Martin) wird sein blutiger Feind, der feige Zauberer Freston, und
aus der einfachen Bäuerin Aldonsa (Eva Jäger) die bezaubernde Dulcinea
von Toboso, der er seine Rittertaten widmen will. Sein Nachbar Sancho Panza
(Ann-Kathrin Lettau) aber, ein ungebildeter Bauer, will ihm als Waffenträger
auf seinen Abenteuerfahrten folgen. Das von Nicolas zurückgelassene Barbierbecken
schließlich wird zum Helm umgedeutet. Nun ist alles bereit.
Hinter der Dorfmauer erscheinen Don Quijotes und Sancho Panzas Köpfe, als
sie aufsitzen – Sanchos etwas niedriger, sein Reittier ist bloß
ein Esel – und sie reiten los. Das Pferdegetrappel geht über in einen
herzschlagartigen Rhythmus, der den Szenenvorhang ersetzt.
Im Gegensatz zu Don Quijote kann Sancho Panza sehr wohl Phantasie und Realität
unterscheiden. Er kann die Windmühlen (ein Sonnenschirmgestell, das seinen
riesigen Schatten doppelt auf die Bühnenrückwand wirft, dazu Kastagnettengeklapper)
sehr wohl als das erkennen, was sie sind – es gelingt ihm aber nicht,
seinen Herrn davon abzuhalten, mit gesenkter Lanze auf die vermeintlichen bösen
Riesen loszugaloppieren. Don Quijote wird von den Windmühlenflügeln
ergriffen und hart auf den Boden der Realität zurückgeschleudert.
Seine Lanze ist zerbrochen und sein Ross halbtot. Auch die weiteren Abenteuer
gehen ähnlich aus; Don Quijotes Wahn führt dazu, dass er sich und
anderen Schaden zufügt. Die Welt, in die sich der Ritter von der traurigen
Gestalt und sein Waffenträger auf Abenteuersuche hinausbegeben, ist materialistisch,
brutal und zynisch. Sie kann in Don Quijote nur einen Irren sehen, über
dessen Tollheiten man sich amüsiert. Das tun der Herzog (Jule Doelker)
und seine Höflinge, oder auch der Schankwirt Palomeque (Amelie Hörburger)
und der Eseltreiber (Franziska Riedel), deren Belustigung aber bald in Ärger
umschlägt; die weniger Gewissenlosen hingegen empören sich moralisch,
wie der Beichtvater des Herzogs (Elisa Eberle). Nur hie und da scheint jemand
zu ahnen, dass der arme Irre, der Schlösser, Zauberer und Edeldamen sieht,
wo keine sind, vielleicht doch etwas begreift, von dem, was jenen entgeht, die
im Hier und Jetzt von Geld, Zerstreuung und Fleicheslust gefangen sind. So etwa
fühlt sich die Schenkenmagd Maritorne (Larissa Fritz), die eine unbestimmte
Sehnsucht in sich trägt, von seinen seltsamen Worten angezogen, und die
Herzogin (Andrea Brunner) hört die Klugheit, die in den Worten des wahnwitzigen
Ritters liegt.
Sancho aber ist ein gelehriger Schüler, der die Worte seines Herren begierig
aufnimmt und zunehmend lernt, die Welt mit dessen Augen zu sehen. Wenn er auch
ungebildet und naiv ist, sich tollpatschig benimmt und anfänglich dem selbsternannten
Ritter folgt, weil ihm die Aussicht auf einen Statthalterpostens blüht,
so hat er doch eine entscheidende Fähigkeit: Er schafft es, die Ideale
seines Herren mit der Wirklichkeit kurzzuschließen. Als Richter zeigt
er, dass Don Quijotes kluge Gedanken durchaus praktische Umsetzung finden können,
nur eben nicht im Kampf gegen Windmühlen. Doch leider wird Sanchos fruchtbare
Tätigkeit von den beharrenden Kräften der Wirklichkeit unterbrochen.
Die zutiefst besorgten Freunde und Verwandten des Hidalgo versuchen mit allen
Mitteln, den gutmütigen Don Alonso wieder nach Hause zurückzuholen.
Der erste Versuch, angestrengt von dem Dorfpfarrer Perez (Dorothee Engbers)
im Verein mit dem Barbier und der Nichte, scheitert. Der zweite aber, den Simson
Carrasco, ein Gelehrter und Verehrer Antonias (Michael Rapp) unternimmt, ist
erfolgreich, und Don Alonso kehrt nach Hause zurück. Er hat erkannt, dass
sein Versuch, das eiserne Zeitalter zu vergolden, Idealismus in die Welt zu
bringen, an der Härte und Kälte derer scheitert, die entschlossen
sind, Phantasie nicht zuzulassen. Er widerruft seinen Glauben an das Ideal nicht,
aber er gibt auf. Er sieht ein, dass er die Menschen nicht auf seine Seite ziehen
kann, dass er nur Verwirrung und Kummer sät, dass ihm die Menschen nicht
folgen wollen oder können. Eigenhändig dreht er den letzten verbliebenen
farbigen Würfel wieder um. Die trostlose Ordnung ist wiederhergestellt,
und Don Quijote, dem mit dieser Einsicht in die Vergeblichkeit seiner Bemühungen
der Lebenssinn abhanden gekommen ist, ist nur noch ein alter, müder Mann,
der den Tod wie einen Freund empfängt.
Das Bühnenbild war sehr sparsam und abstrakt gestaltet, ganz in Schwarz
gehalten. Schwarze Würfel, von Szene zu Szene verschieden zusammengesetzt,
deuteten Handlungsräume und Mobiliar an, das hölzerne Gestell eines
Sonnenschirms wurde als Windmühlenflügel oder als Wäschespinne
eingesetzt. Das düstere, beklemmende Schwarz wurde aufgebrochen, wenn die
Phantasie ins Spiel kam: Don Quijote trug ein leuchtendes Orange in die Welt
der Bühne, er überzog sie mit dem Feuer seiner Phantasie. Sein Rittermantel
leuchtete orange, und seine Umdeutung der Welt wurde sichtbar, als er die Würfel
nach und nach umdrehte, so dass anstelle der schwarzen Flächen orangefarbene
aufleuchteten. Farbe kam immer auf die Bühne, wenn die Phantasie eine Rolle
spielte dann schillerten die Kostüme in allen Farben: pink, gelb, grün,
rot, blau. Eine übermannshohe Mauer aus Bananenkartons im Hintergrund löste
das Problem, wie denn Pferde auf die Bühne zu bringen seien: Wenn die beiden
Abenteuerer aufsaßen, erschienen ihre Köpfe über der Mauer,
das Auf und Ab ihrer Reitbewegungen wurde von Hufgetrappel untermalt.
Die musikalische Begleitung war ebenso abstrakt wie das Bühnenbild. Timur
Cinar am Cajon und Arne Cinar am Monochord gestalteten eine Improvisation über
einen herzschlagartigen Rhythmus, die als Szenenteiler fungierte und von Mal
zu Mal komplexer und eindringlicher wurde. Pferdegetrappel, Windmühlengeklapper,
Paukenschlag und Trompetenfanfare (Timur Cinar, Arne Cinar, Maximilian Martin)
waren die wenigen akustischen Effekte, die eingesetzt wurden; zudem gab es,
in Szenen eingebettet, zwei lyrische Lieder, vorgetragen von Vanessa Grinczek
und Larissa Fritz.
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