Der Religionsunterricht – ein wichtiges Fach am IKG

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben.“   (Joh 10,10)

Schule hat nicht nur den Auftrag, Wissen zu vermitteln, sondern Kinder und Jugendliche möglichst umfassend zu bilden – an Körper, Geist und Seele oder anders formuliert an Kopf, Herz und Hand. Die tragenden Werte, derer es dazu bedarf, „lassen sich nicht einfach unterrichten oder staatlich vermitteln. Wertebildung beruht auf inneren Überzeugungen, also auf Weltanschauung oder Religion. Aus diesem Grund garantiert unser Staat nicht nur den Religionsunterricht, sondern weist – in der Landesverfassung Baden-Württembergs – den Religionsgemeinschaften eine wichtige Rolle in der Erziehung zu.“[1] Diese persönliche Bildung wird zudem stark von der Kultur bestimmt, in der ein Mensch aufwächst. Unsere abendländische Kultur ist in Gesellschaft und Geschichte immer noch in wesentlichen Zügen vom Christentum geprägt. Will man also eine umfassende Bildung vermitteln, so kommt man um die Spuren und Einflüsse des Christentums nicht herum.

Wenn wir uns den modernen, konfessionsgebundenen Religionsunterricht an den Schulen heute genauer anschauen, dann sehen wir, dass er sich als Dienst an den Schülerinnen und Schülern versteht. Er greift ihre Lebenssituation auf und deutet menschliche Grunderfahrungen wie Angenommensein und Bejahung, Geborgenheit und Vertrauen, Freundschaft und Liebe, Freude und Hoffnung, Arbeit und Freizeit, aber auch Versagen und Schuld, Leid und Enttäuschung, Angst und Not, Krankheit und Tod, aus der Botschaft des christlichen Glaubens heraus. Auf diese Weise begleitet er junge Menschen auf der Suche nach dem eigenen Lebenssinn und unterstützt sie dabei, ihre Identität zu finden.[2]

Kein anderes Fach in der Schule vermag den Menschen so in den Mittelpunkt allen Lebens und Lernens zu stellen wie der Religionsunterricht.

 

Die thematische Arbeit in den einzelnen Klassenstufen bewegt sich innerhalb von sieben großen Dimensionen:

  1. Mensch sein – Mensch werden 
  2. Welt und Verantwortung
  3. Hermeneutik, Bibel, Tradition 
  4. Die Frage nach Gott 
  5. Jesus der Christus
  6. Kirche, die Kirchen und das Werk des Geistes Gottes
  7. Religionen und Weltanschauungen [3]

 

Die Fachschaft der Religionslehrerinnen und Religionslehrer am IKG leistet über ihren Unterricht hinaus in der Schulpastoral einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des Schullebens und der Schulkultur.

Dies geschieht auf vielfältige Weise:

  • durch die Mitgestaltung von Festen, Feiern und Gottesdiensten
  • durch außerunterrichtliche Angebote wie Tage der Besinnung und Orientierung
  • durch die Organisation und Begleitung des Projektes „Soziales Engagement“ in Klassenstufe 9
  • durch die Besinnungstage in Assisi für Klassenstufe 10   
  • durch viele andere Projekte wird das Schulleben entscheidend bereichert.

 

Vier Kolleginnen und Kollegen haben neben ihrer Qualifikation für den Religionsunterricht auch noch eine Ausbildung in der Seelsorge und begleiten einzelne Schülerinnen und Schüler bei Anfrage und Bedarf in besonderen Situationen. Die Schulpastoral erschließt und vertieft religiöse Erlebnis- und Erfahrungsräume. Sie begleitet Menschen in ihrem persönliches Suchen und Fragen. Sie weckt, fördert und ermöglicht Gemeinschaft an der Schule und trägt so zu einer Öffnung nach innen und außen bei.

 

Sigrid Keicher

 

Man kann nur eine Sache lehren , die man liebt.



[1] Lebens-Werte entdecken, Praxishilfe für die Kooperation von Kirche, Jugendarbeit und Schule in Baden-Württemberg, Hrsg. Evangelische Landeskirche in Württemberg, Erzdiözese Freiburg, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Evangelische Landeskirche in Baden, Stuttgart 2012, S.7

[2] vgl. Bildungsplan 2004, Allgemeinbildendes Gymnasium, Baden-Württemberg, S. 38

[3] vgl. Bildungsplan 2004, Allgemeinbildendes Gymnasium, Baden-Württemberg, S. 40


Unterricht konkret

Die kath. Religionsgruppe aus den Klassen 9a und 9c bekommt Besuch vom Hospiz am Dreifaltigkeitsberg Spaichingen

 

Es kommt nicht oft vor, dass sich eine 9. Klasse so sehr für das Thema „Leid und Tod“ interessiert und dieses in verschiedenste Richtungen beleuchtet haben möchte.

Bei den Klassen 9a und 9c war das im Fach kath. Religion der Fall.

Wir reflektierten gemeinsam die Bedeutung des Todes für unser Leben und machten uns darüber Gedanken, wie das für uns ist, wenn eine uns nahestehende Person stirbt.

Wir forschten, wie Tod und Weiterleben in den Religionen der Völker gesehen wird und untersuchten diesbezüglich schließlich auch in besonderer Weise das Christentum, das hierzu ganz entscheidende und nahezu revolutionäre Aussagen macht.

Wir machten uns Gedanken darüber, wie sich diese christlichen Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod auf das Leben im Hier und Jetzt auswirken könnten in Bezug auf Sinn und Ziele, auf den Umgang mit Schuld, mit dem Älterwerden und mit der Zeit.

Wir lasen Berichte über Nahtoderfahrungen und verschiedene Zeitungsartikel über Sterbehilfe, um anschließend in intensive Diskussionen einzusteigen.

In Zusammenhang mit dem Problem der Sterbehilfe und der Sehnsucht nach einem „angenehmen“ Tod informierten wir uns über die Arbeit von Sterbehospizen und sahen uns dazu den Film „Blaubeerblau“ an, der vor über einem Jahr in der ARD während einer Themenwoche zu „Tod und Sterben“ ausgestrahlt wurde.

Kurz vor den Osterferien gelang es, Frau Kupferschmid vom Sterbehospiz am Dreifaltigkeitsberg in Spaichingen zu uns in den Unterricht einzuladen. Sie stellte uns die Arbeit in einem Sterbehospiz auf eine so eindrückliche und intensive Art vor, dass man während ihres Besuches im Laufe der beiden Unterrichtsstunden am Mittwoch Nachmittag eine Stecknadel hätte fallen hören.

Wir erfuhren, dass das Hospiz am Dreifaltigkeitsberg eine Einrichtung ist, die allen Schwerstkranken, für die es keine Therapien und Heilungschancen mehr gibt, und ihren Angehörigen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Konfession, ihrer politischen Überzeugung, ihrer ethnischen Weltanschauung und ihrem sozialen Stand ein „Zuhause“ bieten kann in den letzten Stunden, Tagen oder Wochen ihres Lebens, denn Sterben ist Leben und braucht Begleitung.

Im Hospiz werden die Menschen nicht Patienten, sondern „Gäste“ genannt. Sie sind oft nicht mehr in der Lage, ihre Bedürfnisse deutlich zu äußern. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bemühen sich nach Kräften, diese Bedürfnisse zu erkennen und danach zu handeln. Die Autonomie und Willensfreiheit der Gäste steht im Mittelpunkt des Geschehens bei allen medizinischen, pflegerischen und seelsorgerlichen Handlungen. Der Tagesablauf richtet sich nach den Vorstellungen der Gäste. Die Palliativmedizin hat einen zentralen Stellenwert in ihrer Betreuung. Sich wohlfühlen zu können, ist eine Grundvoraussetzung, um Geborgenheit zu spüren. Im Hospiz am Dreifaltigkeitsberg wird dafür gesorgt, dass ein hohes Maß an gewohnter Umgebung im Umfeld der Gäste möglich wird. Die Angehörigen sind stets willkommen und können dabei helfen, diese Geborgenheit zu schaffen.

Obwohl die Präsentation von Frau Kupferschmid auf unseren schon etwas betagten Medienmobilen nicht gezeigt werden konnte und wir uns deshalb um ihren Laptop scharen mussten, tat das diesem besonderen Besuch keinen Abbruch.

Berührt aber keineswegs traurig machten sich die Schülerinnen und Schüler am Ende dieses Nachmittags auf den Heimweg.

Der Tod gehört zum Leben und macht es wertvoll. Das war der Klasse am Ende der Unterrichtseinheit klar – vor allem nach diesem beeindruckenden Gespräch mit Frau Kupferschmid.

 

 Sigrid Keicher