Von der Weimarstraße zur Mühlau

Am Ende des 19. Jahrhunderts waren damals die beiden Tuttlinger weiterführenden Schulen, eine Latein- und eine Realschule, auf mehrere Schulgebäude im Stadtgebiet verteilt. Das erschwerte den Schulunterricht und eine ständig steigende Schülerzahl machte einen Neubau eines großen Schulgebäudes unumgänglich. Im Jahre 1900 zog man mit 300 Schülern in das neue Gebäude in der Weimarstraße 35 ein.

Nach dem 2. Weltkrieg füllte sich das Schulgebäude zusehends und es machte sich allmählich Raumnot bemerkbar. Schon 1956 wurde die Zahl von 500 Schülern überschritten. Dann wurde es schwierig, denn die Schülerzahlen stiegen beängstigend und hatten 10 Jahre später schon die 1000 erreicht.

Die Raumnot im alten Gebäude der Weimarstraße war unerträglich geworden. In einer denkwürdigen Sitzung des Gemeinderates am 31.08.1959 in der Aula der Realschule wurde beschlossen, für das Gymnasium einen Neubau zu errichten zu lassen, und zwar im Gelände Mühlau, dem ehemaligen Gefangenenlager. Das Mühlau Gelände war von 1945 – 1948 ein Kriegsgefangenen-Entlassungslager für die französisch besetzte Zone.

Kriegsgefangenen-Entlassungslager 1945-1948

Dieser Beschluss löste bei den Lehrern, Schülern und Eltern große Freude aus, war doch nun ein Ende der immer schlimmer werdenden Raumnot in Sicht.

Die Zusammenarbeit zwischen Schulleitung und Lehrern einerseits und Gemeinderat und Hochbauamt andererseits klappte sehr gut. Um Bauentwürfe zu erhalten, wurde bald darauf ein landesweiter Wettbewerb ausgeschrieben, wobei sich 34 Architekten daran beteiligten. Der Gemeinderat beschloss am 11.03.1963 den Entwurf dem Reutlinger Architekten Mayer und Klink zu übergeben.

Im Juni 1964 begannen die Erdarbeiten. Schon im Spätsommer 1965 war der Rohbau fertig. Gut 9000 Kubikmeter Beton und etwa 720 Tonnen Baustahl waren verbaut. Am 15.07.1967 war der Tag der feierlichen Einweihung. An einem Festakt in der neuen Aula nahmen die Vertreter der Stadt, der Schulbehörden, der Lehrer, Eltern und Schüler teil. Auch Vertreter unserer Partner aus Bex, der Schulleiter Houriet und der Bürgermeister Meili. Nach einem Umzug durch die Stadt nahmen die Schüler von ihren neuen Zimmern freudig Besitz. Die Baukosten für das bezugsfertige Hauptgebäude betrugen fast 11 Millionen DM, dazu kamen etwa 2,5 Millionen DM für die Sporthalle, Sportplatz und die Hausmeisterwohnungen.

 

Aus einem werden zwei Gymnasien

Als das Gebäude im Juli 1967 bezogen wurde, war die Planzahl von 1000 Schülern schon überschritten. In wenigen Jahren wuchs der Schülerberg auf etwa 1600 an und es wurden daraufhin die Eingangsklassen 8-fach geführt. Deshalb legte der damalige stellvertretende Schulleiter, Herr Studiendirektor Dr. Manz, der Stadtverwaltung eine Denkschrift über die sich abzeichnende erneute Raumnot des Gymnasiums vor. Das Haus war für 1000 Schüler gebaut und wurde zu diesem Zeitpunkt von über 1200 Schülern besucht. Diese wurden in 37 Klassen unterrichtet. Zur Verfügung standen 32 Klassenräume. Im Jahr 1970 wurde ein Antrag an das Bürgermeisteramt zur Teilung der Schule gestellt. Sehr schnell, nämlich am 13. Oktober 1970, stimmte das Kultusministerium der Einrichtung eines zweiten Gymnasiums in Tuttlingen zu.

Das IKG im Jahre 1977

Die Schule wurde endlich 1977 in zwei Gymnasien aufgeteilt, wobei im alten Gebäude unser Immanuel-Kant Gymnasium verblieb und auf dem Nachbargelände das Otto-Hahn Gymnasium die Tore öffnete.

Video: Abitur 1977 Gymnasium Tuttlingen

Eine Sendung des Südwestfunks aus dem Jahr 1977 über das Abitur in Baden-Württemberg. Dafür ausgewählt wurde eines der größten Gymnasien des Landes, das Gymnasium in Tuttlingen.