Vortrag mit Robert M. Zoske - Sophie Scholl: Es reut mich nichts

„Man sollte sich nicht zurückhalten, wenn man ein Ziel oder einen Traum hat.“

Dass sich im vergangenen November im Rahmen von Kundgebungen gegen Corona-Maßnahmen gleich zwei junge Menschen mit Opfern des Nationalsozialismus verglichen haben, sorgte bei den Schülerinnen und Schülern des IKG, aber auch in der Gesellschaft vielerorts für Irritation und Kopfschütteln. Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rügte die Gleichsetzung aus der Querdenker-Bewegung von damals geltenden Corona-Beschränkungen mit der Judenverfolgung der Nazi-Zeit. „Die zunehmenden Vergleiche von Protestierenden gegen die Corona-Maßnahmen mit Opfern des Nationalsozialismus verhöhnen die tatsächlichen Opfer und relativieren die Schoah“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND).

Zwar handelt es sich bei dem elfjährigen Mädchen aus Karlsruhe und „Jana aus Kassel“ zunächst um Einzelfälle. Jedoch stellten sich die AG Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage des IKG und ihr Schulpate Christof „Stiefel“ Manz ganz konkret die Frage, ob dies der Spiegel einer allgemeinen, geschichts-relativierenden Tendenz in unserer Gesellschaft ist. Aus dieser Diskussion heraus entstand die Idee für eine gemeinsame Veranstaltung von IKG, Rittergartenverein und der Stadt Tuttlingen als Vorab-Veranstaltung von Sommer im Park: „eine Ermutigungsstunde“.

Die Erinnerungskultur wachzuhalten, beschrieb Oberbürgermeister Beck als zentrales Ziel unserer Zeit. Dabei verwies er auch auf die Differenz zwischen einer offenen Auseinandersetzung in einer Demokratie und dem Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime. „Demonstrieren, ja. Vergleichen, nein.“

Gespannt folgten die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen sowie der Kursstufe 1 dem Vortrag von Pastor und Autor Robert Zoske, der anlässlich des 100. Geburtstages von Sophie Scholl eine Biografie mit dem Titel „Es reut mich nichts. Porträt einer Widerständigen“ veröffentlicht hatte. Dieser zeichnete ein facettenreiches Bild der historischen Persönlichkeit, die als Ikone des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gilt. Im Zentrum seines Vortrages stand die Entwicklung einer „zu 150 Prozent überzeugten Anhängerin des NS-Regimes“ hin zu einer Widerstandkämpferin – ein langer, schmerzhafter Prozess, bei dem auch ihr Glaube eine zentrale Rolle spielte. „Die gleiche Kraft, die sie zuvor für das System einsetzte, wandte sie jetzt gegen das System an“, so Zoske. Eindrucksvoll beschrieb er, wie man Sophie Scholl in ihrem letzten Verhör fragte, ob sie ihr Verhalten bereue, ihr also einen Strohhalm anbot, um nicht hingerichtet zu werden. Ihre Antwort kennzeichne die damals 21-Jährige nach Zoskes Auffassung als konsequent, gar kompromisslos: „Nein, ich […] bereue es nicht, vielmehr bin ich der Meinung, das Beste getan zu haben für mein Volk.“

In seinem Vortrag ermutigte Manfred Zoske die Schülerinnen und Schüler, sich für ihre Werte und Träume einzusetzen: „Man sollte sich nicht zurückhalten, wenn man ein Ziel oder einen Traum hat.“ Dass dieser Weg keine Einbahnstraße sein muss, zeigt die innere Umkehr Sophies Scholls. Diese Erkenntnis kann der Gesellschaft Mut machen: Man kann sich täuschen. Man kann erkennen, dass man Fehler gemacht hat. Man kann umkehren. „Sie ermutigt uns zum Widerstand und zum Kampf für die Freiheit – und gibt uns die Zuversicht, dass wir dem Gewissen und Gott mehr gehorchen sollen als den Menschen.“

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